Guter Stil als DIN Produkt

„Ich geb’ dir gleich veraltete Sprache, du NARR!“*

…war meine exakte, eventuell leicht übertriebene, Reaktion auf die liebevolle Anmerkung meines Textverarbeitungsprogramms, ich solle doch vermeiden „veraltete Sprache“ zu verwenden.

Ich finde es erstaunlich, dass die von digitalen Dienstleistungsprogrammen kommerzialisierte Vereinheitlichung sich mittlerweile anmaßt, wissen zu wollen, was Stil ist.

Das denke ich weder, weil ich einen grundsätzlichen Hass auf digitale Dienstleistungsprogramme hege (ganz im Gegenteil) noch, weil ich meinen eigenen Stil als so toll und über jeglicher Kritik schwebend ansehe.

Stil ist jedoch eine Frage des Moments und des Geschmacks.

Ich könnte einer Software zwar noch zutrauen, ersteres in einer Vielzahl von Fällen annehmbar korrekt zu erkennen, aber ich traue keiner Software dieser Welt wirklichen Geschmack oder irgendeine Form tiefgreifenden Stilgefühls zu.

Auch lebt Stil eben von einer heterogenen Mischung aus Ecken und Kanten, bewusster und unbewusster Wortwahl, fixen Ideen…
Das fällt weg, wenn nachträglich mit einer Sense normierter Textanforderungen darüber geschnitten wird.

Beste Grüße
Leonie

Die „veraltete Sprache“, um die es sich handelte, war übrigens „selbiges“. Statt der archaischen Wortwahl werde ich an dieser Stelle aus Platz- und Zeitgründen vermeiden, darauf einzugehen, was ich davon halte.

*Ich lade den Leser ein, hier den inneren Torsten Sträter als Vorleser zu bemühen.

1 Kommentar

  1. Bravo! Ich kämpfe auch mit – schon seit einer gefühlten Ewigkeit,…

    …und ich weigere mich, mir einen abgeflachten Stil anzueignen, nur damit er massenkompatibel ist. Ich sch…. auf Masse und fröne lieber der Klasse einer gelungenen Formulierung. Unsere Sprache – jede Sprache – ist so vielfältig und darf nicht verkümmern, nur um Social Media-konform zu sein. Doch wenn ich mir anschaue, wie dort formuliert wird, könnte ich manchmal schreien. Subjekt, Objekt, Prädikat, Groß- und Klein-Schreibung, Komma-Setzung, Worttrennung, Satzbau etc. – davon haben so manche Mitmenschen anscheinend noch nie etwas gehört. Ich bitte um Entschuldigung, aber da hat die Freiheit im Ausdruck für mich klare Grenzen!

    Gruß
    Andreas

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