Über den Text hinaus – Mord im Orient Express

In meiner Rubrik „Über den Text hinaus“ behandle ich all jene Themen, die offensichtlich oder im Entferntesten die Literatur betreffen könnten. Besonders oft endet dies in Biographien und weiteren Medien. Heute dem Film.

Meine Obsession mit Agatha Christie lässt sich bereits Jahre zurückverfolgen und begann mit den klassischen schwarz-weiß Miss Marple Filmen und der wunderbaren Margaret Rutherford. Während ich also die Originalwerke Christies überaus schätze, ist nicht zu leugnen, dass es mir gerade auch die filmischen Umsetzungen dieser besonders angetan haben. (Was interessant ist, denn damit gehört eine meiner liebsten Autorinnen gleichzeitig auch zu den wenigen, deren Verfilmungen ich manchmal doch den Texten bevorzuge.)

Die Neuverfilmung von „Mord im Orient Express“ mit Schauspielgrößen wie Kenneth Branagh, Judi Dench und Johnny Depp kam bereits 2017 in die Kinos und es kostete mich nun fast vier Jahre Überwindung, den Film endlich selbst zu sehen. Der Hauptgrund für die so entstandene Lücke in dem Lebenslauf meiner Wertschätzung gegenüber Agatha Christie und ihren Werken war tatsächlich vor allem die Befürchtung, der neue „Mord im Orient Express“ würde mir die Freude an dem alten verderben. Dem war nicht so!

Bereits nach den ersten fünf Minuten hatte mich die Atmosphäre des Films in ihren Bann gezogen. Ich war begeistert von Kenneth Branagh als Hercule Poirot und auch die anderen Figuren, sowie die gesamte Inszenierung und die gewaltigen Bilder machten „Mord im Orient Express“ für mich schnell zu einem neuen Lieblingsfilm. Ich möchte an dieser Stelle auch garnicht zu sehr ins Detail gehen, was die Analyse der gesamten Gestaltung des Film angeht, vor allem weil ich es schlichtweg nicht kann. Weder sehe ich viel fern, noch bin ich bei den Neuigkeiten Hollywoods immer auf dem aktuellen Stand, es ist also zum einen sehr leicht mich mit Filmen zu beeindrucken, zum anderen ist mein Maßstab eines guten Films größtenteils auf die Wirkung dessen auf mich persönlich fokussiert.

Im Folgenden möchte ich euch also einmal kurz die Details und Merkmale von „Mord im Orient Express“ vorstellen, die den Film für mich so besonders machten:

Patrick Doyle

Der Komponist des Soundtracks sagte über Filmmusik einmal „[…] it should be able to, away from the picutre, conjure up the same sort of feelings and images that it was meant to on screen.“ Er ist diesem Grundsatz treu geblieben!

Poirot – Genius, Gestik und Sprache

Natürlich bin ich in dieser Hinsicht insofern voreingenommen, als das ich schon immer ein großer Fan des „Greatest Detective“ war, aber mit einer solchen Einschätzung kommt immer auch eine besondere Erwartungshaltung und diese konnte von Hercule Poirot in „Mord im Orient Express (2017)“ definitiv erfüllt werden. Ich wage fast zu behaupten, dass er zu meinem neuen „Lieblingspoirot“ geworden ist. Zu dieser unbewussten Entscheidung kam ich gegen Ende des Films, denn meiner Meinung nach gehörte der Monolog Poirots zu den bedeutungsgewaltigsten Szenen des ganzen Films. (Unerfahrene Filmkritiker* würden sagen „zu den besten Szenen der Filmgeschichte“.)

*Ich

Die Ästhetik

Jeder der mich etwas besser oder länger kennt, weiß das „Ästhetik“ zu meinen meist genutzten Wörtern überhaupt gehört. Wenn ich also die Ästhetik eines Films oder Romans schätze, ist das eines der größten Komplimente, das ich geben könnte. In diesen Fällen fließt in die ästhetischen Qualitäten für mich noch viel mehr ein, als beispielsweise ein bestimmter Kleidungsstil. Es ist das Zusammenspiel aller künstlerischen und stilistischen Elemente von „Mord im Orient Express“, ob Maske, Musik, Figuren, Umsetzung oder Dialoge, welches für mich perfekt war.

Vielen Dank für das Lesen! Ich wünsche euch allen eine schöne Woche 🙂

19 Dinge, die ich in 19 Jahren gelernt habe

Dieser Blogbeitrag gehört definitv in die Kateogrie solcher, die einen persönlichen Zweck verfolgen. Es handelt sich um einen Text, den ich vor allem auch für mich selbst zur Dokumentation verfasst habe.

I. Regelmäßigkeit wird unterschätzt

Ob man es nun „Consistency is key“, „Habit Tracker“ oder Disziplin nennen möchte, das Ergebnis des Ganzen bleibt größtenteils gleich. Bereits ein sehr kluger Schriftsteller oder Philosoph, dessen Name und Werk mir leider entfallen sind, weshalb ich auf die Sinnebene zurückgreifen muss, sagte, dass es eine wesentlich größere Errungenschaft darstellt, etwas regelmäßig und immer wieder in kleinen Teilen zu schaffen, als ein einziges Mal. Ich kann dem nur zustimmen, zum einen ist es gerade zu Beginn oft schwierig sich eine neue Routine oder Arbeitsweise anzueignen, doch erlangt man schließlich die Regelmäßigkeit dahinter, kommt man dadurch auf der imaginären Lernkurve um ein Vielfaches schneller voran.

II. Die Schnittmenge von Aussage und Handlung

Bis heute erlebe ich es oft immer wieder, vor allem auf Social Media aber durchaus auch im „echten“ Leben, dass ich eine Person treffe und mich die Meinungen oder Aussagen dieser Person bewundernd aber auch etwas eingeschüchtert oder ungläubig zurücklassen. Das Ganze ist, um ein spezielleres Beispiel zu wählen, recht gut vergleichbar mit dem ein oder anderem TED Talk, „Entrepeneur“ oder auch Studytube Kanal. Produktivität und Erfolg sind relativ. Jeder ist in der Lage diese Parameter und deren Wichtigkeit für sich selbst zu definieren und meiner Erfahrung nach ist die Menge des Arbeitspensums und des Zeitaufwands eines Menschen nicht automatisch ein Indikator für diese Maßstäbe. Was ich damit sagen möchte ist, dass es absolut wichtig und gut ist Motivation und Inspiration in anderen zu finden, aber dennoch sollte man hinterfragen. Es kann helfen Handlungen von Aussagen für einen Moment zu trennen und somit eventuelle Diskrepanzen für sich sichtbar zu machen.

III. Besondere Interessen sind die wichtigsten Details des Lebens

Mit Überschrift Nummer Drei ist eigentlich alles gesagt. Lernt Neues! Bleibt interessiert!

IV. Geschmäcker sind selten konstant

Während ich vor einigen Jahren dieser Aussage noch heftig widersprochen hätte, kann ich heute bestätigen, dass sich Interessen und Geschmacksfragen verändern werden und dürfen. Es kann sehr befreiend sein, selbstauferlegte Maximen loszulassen und seine Fühler auszustrecken. Damit meine ich nicht, dass man unbedingt ständig aus der persönlichen Komfortzone ausbrechen muss, vor allem wenn man sich des Wertes bestimmter Dinge für sich selbst bewusst ist, ich rede viel ehr von einer Art Erweiterung der Komfortzone.

V. Habt keine Angst etwas zu wollen

Kein Mensch der Welt möchte unnötig viele Sorgen haben, deshalb kann es manchmal einfacher und angenehmer scheinen sich um bestimmte Dinge einfach nicht zu sorgen. Jedoch hat diese Tatsache einen Haken: Lässt man keine negativen Gefühle über etwas zu, kann es genauso leicht geschehen, dass um Umkehrschluss auch die positiven Gefühle darüber ausbleiben. Fazit: Es lohnt sich, sich einzugestehen etwas zu schätzen oder anzustreben.

VI. Es gibt keine originellen Gedanken

Die wenigsten Menschen sind wahre Genies einer Fachrichtung und auch die antiken Universalgelehrten sind zu meiner großen Bedauerung bereits größtenteils ausgestorben, haben uns aber netterweise einiges an Wissen mit auf den Weg gegeben. Das lässt uns in einer Realität zurück, in der man sich zwar sehr wohl der Qualität dieses und des in manchen Fällen darüber hinaus gehenden Wissens bewusst ist, man jedoch des öfteren zu der falschen Annahme geneigt ist, eben dieses Wissen für überaus exklusiv zu halten.

Anders gesagt: Wenn du klug genug warst dir einen bestimmten Gedanken zu machen, gibt es zumindest das Potential dazu auch in einem anderen Menschen. (Oder hat es in manchen Fällen sogar bereits gegeben, man denke nur an Leibnitz und Newton).

Welche Grundsätze habe ich daraus nun für mich geschlossen?

  • Keine unnötigen Lügen, denn wenn du sie dir ausdenken konntest, kann auch ein anderer sie aufdecken
  • Ideen und Inspirationen zeitnah umsetzten
  • Dinge dokumentieren

VII. Produktivität ist vielseitig

Dieser Punkt knüpft an Nummer Zwei an. Was für den einen Freizeitaktivität oder Entspannung ist, ist für den anderen bereits eine produktive Beschäftigung. Es ist also alleine deshalb vollkommen unmöglich ständig produktiv zu sein, denn um dies bewerkstelligen zu können, benötigte man ein Konzept objektiver Produktivität, was ihrem Wesen jedoch widerspricht.

VIII. Kreieren vs. Konsumieren

Diesem Aspekt möchte ich vor allem dem widmen, was ich in den letzten Jahren über Social Media gelernt habe. Zwar baut das Ganze an dieser Stelle besonders auf einer persönlichen Meinung auf, dennoch denke ich, dass es sich hierbei um einen guten Denkanstoß handeln könnte. Mir viel in der Vergangenheit oft auf, dass ich zwar jeden Tag im Großen und Ganzen ungefähr gleich viel Zeit auf Sozialen Medien verbrachte, dennoch wechselte der Effekt, den diese auf mich hatten. Irgendwann habe ich schließlich gemerkt, dass die Nutzen Sozialer Netzwerke dann am positivsten scheinen, wenn man sich selbst die Zeit nimmt, diese aktiv für sich zu nutzen. Nehme ich beispielsweise Instagram, TikTok oder YouTube als eine Platform zum Teilen meiner und Interagieren mit meinen persönlichen Interessen, kann ich einen viel größeren Nutzen daraus ziehen, als würde ich lediglich ziellos herumscrollen.

IX. Die Schnelllebigkeit von Trends

Es lohnt sich nicht, sich mit einem Trend zu beschäftigen, wenn diesem spontanen Interesse keine persönliche Motivation zu Grunde liegt. Letztendlich ist es nicht viel mehr als Zeitverschwendung, sich mit etwas auseinanderzusetzen, das nach nur wenigen Wochen bereits einen Großteil seiner Bedeutung einbüßen wird.

X. Die Stoa

Da wir mit Punkt Zehn jetzt bereits die Hälfte von „Leonies Lebensweisheiten“ erreicht haben, gebe ich mir Mühe mich im Folgenden etwas kürzer zu fassen.

Alles was ich hierzu sagen werde ist also: Eine stoische(-re) Lebenseinstellung kann in vielen Situationen sehr hilfreich sein. (Der aufmerksame Leser wird an dieser Stelle eine kleine Unstimmigkeit mit Punkt Drei bemerken, und ich muss zugeben, dass es sich hierbei um eine Tatsache handelt, an der ich selbst momentan noch arbeite.)

XI. Menschen sind nicht unfehlbar

Es ist wenig sinnvoll sich komplett auf die eigene Einschätzung, aber auch die Einschätzung anderer zu verlassen, denn niemand kann je alles wissen. Pläne können und werden sich verändern und man selbst macht Fehler, die man lieber nicht gemacht hätte. Eine Tatsache des menschlichen Lebens, die man wohl oder übel akzeptieren muss.

XII. Qualität > Quantität

Bereits in meinen vorherigen Punkten ist dieser Grundsatz immer wieder vereinzelt mitgeschwungen und deshalb wollte ich ihm auch einen eigenen Absatz widmen. Es ist ein Grundsatz den ich wirklich jedem sehr ans Herz legen kann und egal ob Entscheidungen, Käufe oder Konzepte, ich war immer zufriedener mit dem Ergebnis, wenn ich nach diesem Prinzip geurteilt habe.

XIII. Check your privilege

Dieser Punkt steht für sich. Bewusst weniger egozentrisch denken kann ein Anfang sein und eine solche Denkhaltung ist die Eigenschaft eines guten Gesprächspartners.

XIV. Überdenkt euer Konsumverhalten

Ich bin kein perfekter, nicht mal ein guter, nachhaltiger Konsument. Dennoch habe ich in den letzten Monaten darauf geachtet, mein Konsumverhalten bewusst zu analysieren und herunterzuschrauben. Es hat mir nicht geschadet, ganz im Gegenteil ich kaufe überlegter und seltener.

XV. Networking

Je älter ich werde, desto mehr merke ich, dass es sich immer lohnt Menschen zu kennen.

Dieser Punkt ist auch als eine Art zukünftiger Punkt zu lesen, denn ich habe bei Weitem zu wenig Erfahrung um in diesem Bereich Tipps geben zu können.

XVI. Dokumentiert euer Leben

Jeder der micht kennt weiß, dass ich ein großes Faible für Listen und Tagebücher aller Art hege. Tatsächlich weiß ich nicht einmal mehr seit wie vielen Jahren ich bereits über mein Leben schreibe und somit kann ich Punkt 16 an dieser Stelle wahrscheinlich als eine persönliche Lebensweisheit erster Stunde bezeichnen.

XVII. „Find a kingdom within“

Ein Zitat, auf das ich zufällig bei meinen Recherchen rund um die Philokalia gestoßen bin.

XVIII. Kleider machen Leute

Ich lege das Zitat selten im Bezug auf andere Menschen aus, sondern halte es vielmehr für einen Grundsatz des Respekts gegenüber sich selbst. Es lohnt sich, etwas Zeit und Mühe in den persönlichen Stil zu stecken.

XIX. Behaltet den Überblick

Egal ob beim Erstellen von Plänen, Listen, beim Lernen oder ganz allgemein im Leben. Es ist so unglaublich wichtig, sich nicht zu verlieren.

Das waren sie, meine 19 Lebensweisheit aus 19 Jahren. Vielen Dank fürs Lesen!

Die Shortlist meiner Leseliste für 2021

Es wäre eine Lüge zu sagen, die folgenden acht Bücher und Autoren würden dem Umfang meiner zukünftigen Leseliste auch nur annähernd nahe kommen, dennoch handelt es sich bei diesen Werken um solche, die ich unbedingt in naher Zukunft gelesen haben möchte.

Im Vergleich zu meinen anderen sogenannten „tbr“s („tbr“ = „to be read“) besteht diese Shortlist größtenteils aus Büchern, die ich als Empfehlungen in anderen Texten oder von anderen Bloggern entdeckt habe, weshalb sie auch lesetechnische Priorität erlangen konnten.

9 1/2 perfekte Morde: Wenn Schuldige davon kommen – Ein Strafverteidiger deckt auf

„Zweifellos hat es perfekte Morde gegeben, sonst wüsste man ja etwas von ihnen.“ (Alfred Hitchcock)

„9 1/2 perfekte Morde“ von Alexander Stevens habe ich über Elena Handtrack entdeckt und ich fand das Konzept des Buches sofort so interessant, dass es mir seitdem nicht mehr aus dem Kopf gehen wollte. Gerade auch, da ich mich 2021 mehr mit juristisch angehauchten, beziehungsweise inspirierten, Texten befassen möchte, passt „9 1/2 perfekte Morde“ perfekt auf meine Leseliste 2021.

Philosophisches Taschenwörterbuch

„Ich bin nicht einverstanden mit dem, was Sie sagen, aber ich würde bis zum Äußersten dafür kämpfen, dass Sie es sagen dürfen.“ (Voltaire)

Mein Wunsch Voltaires berühmtes „Philosophisches Taschenwörterbuch“ zu lesen entsprang meinem „Kulturgeschichte der Menschheit“-Marathon gegen Ende von 2020. In dem Band aus Will und Ariel Durants Reihe, der dem Zeitalter Voltaires gewidmet ist, wurde das „Philosophische Taschenwörterbuch“ mehrmals erwähnt und ist infolgedessen schnell auf meiner 2021 tbr-Liste gelandet.

Über die Kunst, nüchtern und präzise zu philosophieren

Auch an diesem Werk sieht man wieder deutlich, dass ich mich in diesem Jahr nicht nur mit „der Juristerei“, sondern auch mit „der Philosophie“ beschäftige. Ich muss zugeben, dass ich nicht mehr genau weiß wie „Über die Kunst, nüchtern und präzise zu philosophieren“ in die Sammlung meiner Wunschbücher für 2021 gekommen ist, aber bei erneutem Durchlesen schien das Werk plötzlich aufgetaucht zu sein. (Anmerkung: Bei genauerer Recherche habe ich erfahren, dass „Über die Kunst, nüchtern und präzise zu philosophieren“ ein Werk des Philosophen Anton Wilhelm Amo ist. Dieser war ein schwarzer Philosoph der Gegenwart, sein Werk scheint auf den ersten Blick jedoch leider entweder verschollen, oder nur sehr schwer auffindbar. Ich werde mich dennoch weiter auf die Suche begeben.)

Die Tsantsa Memorien

„Was einmal ein Objekt der Kultur war, ist immer auch ein Objekt der Barbarei. Und wenn wir das bedenken, dann gehen wir vielleicht vorsichtiger, mitleidiger und emphatischer mit der Welt um.“ (Jan Koneffke zitiert Walter Benjamin)

„Die Tsansta Memorien“ von Jan Koneffke erschienen im September letzen Jahres und bereits seit Dezember 2020 befindet sich der Roman auch bereits bei mir zu Hause. Trotz dieser mehr oder weniger perfekten Vorbereitung bin ich seitdem noch nicht über Seite eins herausgekommen. Es bleibt also ein spannendes Leseprojekt für dieses Jahr.

Shanghai ’37

„Berlin war so herrlich lebendig, so geladen mit einer seltsamen Elektrizität“ (Vicki Baum)

Vicki Baums „Schanghai ’37“ fiel mir vor allem aufgrund meiner sofortigen Assoziation mit der wunderbaren Marlene Dietrich in „Shanghai Express“ ins Auge. Danach war es die Biographie der Autorin selbst, eine der bekanntesten der Weimarer Republik, die mein Interesse weiter weckte.

The Handmaid’s Tale

„Don’t let the bastards grind you down.“

Es gibt wenig bedeutendere Gründe hinter der Wahl von Margaret Atwoods Roman „The Handmaid’s Tale“, als die bloße Tatsache, dass ich mittlerweile so oft davon gehört habe, dass ich mich mittlerweile selbst einmal mit dem Werk befassen möchte.

Clarice Lispector

„I only achieve simplicity with enormous effort.“

In diesem Fall ist es kein spezielles Werk, kein spezieller Roman, sondern eine Autorin, die mich fasziniert. Ende letzten Jahres las ich in der Zeit einen Artikel über die brasilianische Schriftstellerin und habe es mir seither zum Ziel gesetzt mindestens eines ihrer Werke, bevorzugt einen Roman oder eine Kurzgeschichte, zu lesen.

John Le Carré

„Einmal ein Spion, immer ein Spion – Ich glaube das ist vollkommen richtig.“

Wieder war es ein Zeitungsartikel, der mein Interesse an einem, mir bis dato unbekanntem, Autoren wecke. John Le Carré, selbst ein Mitarbeiter des britischen Geheimdienstes, wurde um 1960 mit seinen Agentenromanen zu einem der erfolgreichen Schriftstellern des Genres. Für mich persönlich war dies Grund genug, einen genaueren Blick auf seine Werke zu werfen, vor allem da ich auch in der Vergangenheit immer wieder eine besondere Schwäche für Spionageromane hatte.

Bücher für lange Winterabende

Es wird mir auf ewig ein Rätsel bleiben, weshalb es gerade Winternächte sind, in denen Texte und Bücher eine völlig neue Unterhaltungsebene zu erreichten scheinen.

Hier also ein Liste, der Bücher, die ich für eben diese Momente besonders empfehlen kann.

Mord im Orient Express

„My name is Hercule Poirot and I am probably the greatest detective in the world“

Agatha Christie schrieb „Mord im Orient Express“ (im Originalen „Murder on the Orient Express“), einen Kriminalroman rund um den genialen Hercule Poirot im Jahr 1933. Spätestens seit der spektakulären Neuverfilmung 2017 wird den meisten wenigstens die ungefähre Handlung ein Begriff sein und ich bin mir sicher, dass jeder der an dieser Verfilmung Gefallen fand, auch das Original schätzen wird. Neben Werken wie „Alibi“ und „And Then There Were None“ gehört „Mord im Orient Express“ für mich persönlich zu den absoluten Meisterwerken Agatha Christies, auch wenn diese Wahl manchen eventuell zu offensichtlich erscheinen könnte.

Die Atmosphäre und Spannung, die in „Mord im Orient Express“ rund um Detektiv und Mord gewoben wird ist prädestiniert dafür, an winterlichen Nachmittagen verschlungen zu werden.

Die Brüder Karamasow

„Das Leben ist ein Paradies, und alle sind wir im Paradiese, wir wollen es nur nicht wahrhaben; wenn wir es aber wahrhaben wollten, so würden wir morgen im Paradiese sein.“

„Die Brüder Karamasow“ wurden von Fjodor Michailowitsch Dostojewski gegen Ende des 19. Jahrhunderts verfasst und sind somit, eine Information für alle Liebhaber des autobiographischen Lesens, ein Werk, das gewissermaßen von den letzten Schaffensjahren des russischen Schriftstellers geprägt wurde.

Für mich sind „Die Brüder Karamasow“ ein Lebenswerk in jeder Hinsicht. Zum einen Aufgrund des Autors selbst, zum anderen aufgrund der Handlung und der Charaktere, aber auch, da es ein Werk ist, welches ich vermutlich lange Zeit selbst als einen der Romane nennen werde, der mich auch nach dem Lesen immer weiter begleitet.

„Die Brüder Karamsow“ ist ein Werk für jeden, der historische Texte, Klassiker der Weltliteratur, philosophische Gespräche und tiefgreifende Figurendynamiken zu schätzen weiß.

Meditationes de prima philosophia

„Da es ja immer noch ich bin, der zweifelt, kann ich an diesem Ich, selbst wenn es träumt oder phantasiert, selber nicht mehr zweifeln.“

In meinem letzen persönlicheren Blogbeitrag habe ich bereits den oft zitierten Ulmer Winter von René Descartes angesprochen und „Meditationes de prima philosophia“ ist das passende Werk hierzu. Der Legende nach entstanden während der Wirren des Dreißigjährigen Krieges, als Descartes in einem besonders harten Winter in der Umgebung von Ulm gestrandet war, unter Umstände die Ursprünge seiner Erkenntnistheorie.

Aufgrund dessen ist wohl kaum ein philosophisches Werk besser als winterliche Lektüre geeignet, als ein solches, welches dort seine Wurzeln fand.

Anna Karenina

„Als ob ihr Wesen von irgendeinem Übermaß derart übervoll wäre, dass es gegen ihren Willen bald im Funkeln des Blicks, bald im Lächeln zum Ausdruck käme.“

Um ein letztes Mal in diesem Beitrag bei den großen russischen Autoren zu bleiben, hier ein weiterer literarischer Klassiker, den man sicherlich nicht gelesen haben *muss*, den gelesen zu haben aber durchaus eine Bereicherung sein kann.

Ich selbst hielt Leo Tolstois „Anna Karenina“ lange Zeit für einen Roman, dem ich nicht abgewinnen werden könnte, jedoch wurde ich während des Lesens schnell eines besseren belehrt. Ähnlich wie „Die Brüder Karamasow“ wird dem Leser auch in diesem Werk eine unglaubliche Sprachgewalt voller Leben gezeigt, die man schnell lieben lernt.

Der Zauberberg

„Prägen Sie sich immerhin ein, daß Toleranz zum Verbrechen wird, wenn sie dem Bösen gilt.“

Da ich es auf diesem Blog unter Umständen noch nicht erwähnt habe, hier die offizielle Bekanntmachung: Ich bin ein großer Liebhaber der Werke Thomas Manns. Kann ich diese Aussage treffen, da ich jedes einzelne seiner Werke gelesen und geliebt habe? Nein. Aber die Tatsache, dass ich bis heute keinen Text und keinen Roman von Mann gelesen habe, dem ich nichts abgewinnen konnte, spricht für sicht.

Auch „Der Zauberberg“ gehört zu den Romanen, die ich liebe, da sie sich über eine Ewigkeit zu erstrecken scheinen. (Freunde schnelllebiger Texte, werden das Werk also wahrscheinlich ehr in Auszügen schätzen können.) Es vereint eine Vielzahl an Themen rund um das Leben, Lieben, Denken und darüber hinaus. Darüber hinaus gibt es in „Der Zauberberg“, wie es sich für mich in einem guten Roman gehört, einen Erzähler, der auf bestimmte weise überraschend detailliert beschreibt, sodass man als Leser in die Welt des Romans förmlich hineingezogen wird.

Bücher, die man 2021 gelesen haben sollte

Dies ist eine kleine Übersicht über die Bücher, die ich momentan besonders häufig weiter empfehle und die mich in den letzten Jahren auffällig oft begleitet haben. Wer also noch Inspiration für die diesjährige Leseliste sucht, ist hier herzlich willkommen.

Ich hoffe ich kann mit ein paar meiner Empfehlungen eure literarischen Vorsätze für 2021 etwas bereichern und wünsche euch allen ein schönes neues Jahr!

Ruth Bader Ginsburg – 300 Statements der berühmten Supreme-Court-Richterin

„When there are nine.“

Helena Hunt brachte diese Sammlung kurzer und längerer Zitate Ruth Bader Ginsburgs rund um das Leben, das Recht und die Gesellschaft im September letzen Jahre heraus und nur wenige Monate später lag es bereits bei mir auf dem Schreibtisch. Neben den, ohne Frage, grandiosen „Statements“, hat mir überdies auch sehr gefallen, wie immer wieder auf bekannte Fälle und den (akademischen) Lebenslauf Ruth Bader Ginsburgs eingegangen wurde. Dieses Buch ist definitiv eine Empfehlung für jeden, der sich mehr mit Recht, Feminismus, Gleichstellung oder auch ganz im Allgemeinen mit bedeutenden Personen dieses Jahrhunderts auseinandersetzen möchte.

The Colour of Time – A New History of The World, 1850-1960

„The world has always been as vivid, immediate and colourful as it seems to us today.“

Irgendwo zwischen Bildband (wählt man die gebundene Ausgabe) und geschichtlichem Weltatlas findet sich „The Colour of Time“. Ein Buch, in welchem Marina Amaral und Dan Jones in doppelseitigem Format die bedeutendsten Ereignisse und Personen der Jahrzehnte von 1850 bis 1960 darstellen. Während die Texte selbst in ihrer Funktion als kurz zusammengefasste Erklärung ihre Hauptfunktion bereits erfüllt haben, was soll man auch mehr verlangen, sind es gerade die Photographien gewesen, die „The Colour of Time“ seinen besonderen Reiz verschafft haben. Jedes einzelne diese Bilder war aufwändig koloriert worden und allein aufgrund dieser Tatsache, trat jedes historische Geschehen mit besonderer Bedeutungsgewalt hervor.

Garten über dem Meer

„Ich habe schon immer gerne erfahren, was den Leuten so alles passiert, und das nicht etwa, weil ich neugierig wäre…Eher, weil ich Menschen mag […]“

Ich muss an dieser Stelle zugeben, dass ich vor dem Lesen von Mercé Rodoredas Roman „Garten über dem Meer“ noch nie weder von Werk noch Autorin gehört hatte. (Es war letztendlich tatsächlich der Einband der wunderschönen Schmuckausgabe gewesen, der mich zum Lesen bewegt hatte.) Hätte Agatha Christie ein Werk im Stil Thomas Manns geschrieben, das Ergebnis wäre wahrscheinlich mit „Garten über dem Meer“ vergleichbar gewesen und das kommt in meiner persönlichen Bewertungsskala einem der Höchstpunktzahl gefährlich nahe kommendem Ergebnis gleich.

Durant – Kulturgeschichte der Menschheit

„Bildung ist eine zunehmende Erkenntnis der eigenen Dummheit“

Mitte Oktober habe ich mich gewissermaßen an das literarisches Selbstexperiment gewagt Will und Ariel Durants „Kulturgeschichte der Menscheit“ bis Weihnachten zu lesen. Fazit: Es ist möglich! Ich war von jedem Text aufs Neue begeistert. Der überaus detaillierte Überblick über bekannte, oder auch bedeutende aber weniger Bekannte, Personen und Werke der Weltgeschichte, wer der Punkt, der diese Reihe für mich so besonders gemacht hat. Diese knapp 20 Bücher scheinen einen Wissensumfang zu beinhalten, der einem Vielfachen dieser Menge ohne Weiteres entspricht.

Kaffee und Zigaretten

„Vor 54 Jahren, am Tag meiner Geburt, verhängte die Liga der Arabischen Staaten einen Import-Boykott über einen englischen Hersteller von Regenmänteln, die Firma Burberry.“

Ferdinand von Schirachs neuestes Werk erschien zu Beginn dieses Jahres und ich hätte wahrscheinlich nie dannach gegriffen, wäre es mir nicht mehrmals von Freunden empfohlen worden. Nach dem Lesen schließlich bereute ich fast von Schirach als Autor nicht bereits früher „entdeckt“ zu haben. („Entdeckt“ hier in Anführungszeichen, denn wir erinnern uns, ich musste zu meinem Glück gezwungen werden.) „Kaffee und Zigaretten“ liest sich wunderbar es war eines dieser Werke, die ich so liebe, weil sie Lebensgeschichten gekonnt anskizzieren und verweben. Der Leser erhält hier Einblicke in Facetten einer Autobiographie, die einen mit nachdenklichem Blick auf das Leben selbst zurücklassen.