Lieblingsphänomene der Literatur

Moin,

Ein Motiv, das ich einfach immer wieder liebe, bedarf einer etwas längeren Einleitung.

Zum ersten Mal aufgefallen ist es mir in der 1985er-Verfilmung von Agatha Christies „Ein Mord wird angekündigt“. (Den Stil dieser Verfilmung würde man mittlerweile wahrscheinlich als „cottage core crime“ bezeichnen; was hier eine Empfehlung soll)

In „Ein Mord wird angekündigt“ gibt es unter anderem zwei liebevoll dargestellte Damen: Hinch und Murgatroyd, die gemeinsam eine kleine Farm betreiben.

Zuerst fand ich diese Szene einfach sehr hübsch.

Dann weiß ich nicht, wieso es genau dieser Moment war, aber ich habe angefangen darüber nachzudenken und schließlich recherchiert, ob es häufiger geschah, dass sich zwei ältere Damen zusammentaten, um (jetzt vielleicht nicht im Speziellen eine Farm zu gründen oder aufrechtzuerhalten) ein Lebensprojekt gemeinsam anzugehen.

(Diese Suche führte mich schlussendlich eventuell zu dem Kultobjekt der Lesbenszene: Der Boston Marriage, ganz sicher bin ich mir auch nicht mehr)

Aber das war bei mir schlussendlich Auslöser dafür, dass ich angefangen habe, mir bei fast allem, was ich lese (und ich bin sehr dankbar, dass ich diesen Blickwinkel auf Literatur für mich gefunden habe, weil ich seitdem an fast jedem Buch Freue finden kann), die Frage nach dem schaffenden und dem beobachtendem Autor zu stellen (oder sonstigen Vermischungen und Zwischenräumen, die sich zwischen diesen beiden Konzepten entwickeln können).

Das sind zwei Arten sich zu erklären, wie es zu bestimmten Motiven oder Figuren kam, die man in Büchern schätzen gelernt hat.

Das eine ist die Idee von:

„Hier hat sich gerade der Autor hingesetzt und diese eine Idee umgesetzt, ihr Leben eingehaucht und sie dann auch noch so eingeflochten, dass man sie in diesem Buch findet, auch wenn sie vielleicht nur ein Nebencharakter, ein kleines Detail, war. Es entsteht diese kleine Welt, geschaffen in ein paar Seiten.“,

aber die andere Möglichkeit, die es gibt (die ich manchmal besonders mag, weil man niemals ganz sicher sein kann, ob das wirklich der Fall war) ist der beobachtende Autor.

Bleiben wir bei dem Beispiel der beiden Damen von eben. Vielleicht hat Agatha Christie selbst irgendwann einmal eine Geschichte gehört, von zwei Damen mittleren Alters, die diese kleine Farm in diesem kleinen Dörfchen haben, einen Hund, ein paar Hühner, alles „utterly charming“ und so weiter. Vielleicht hat Christie das so in ihre Story übernommen. Und schon wurden zwei Damen aus einem kleinen englischen Dorf literarisch unsterblich.

Und das sind zwei Herangehensweisen an Literatur, die für mich jedes Buch zu einer Besonderheit machen können.

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