Über den Text hinaus – Mord im Orient Express

In meiner Rubrik „Über den Text hinaus“ behandle ich all jene Themen, die offensichtlich oder im Entferntesten die Literatur betreffen könnten. Besonders oft endet dies in Biographien und weiteren Medien. Heute dem Film.

Meine Obsession mit Agatha Christie lässt sich bereits Jahre zurückverfolgen und begann mit den klassischen schwarz-weiß Miss Marple Filmen und der wunderbaren Margaret Rutherford. Während ich also die Originalwerke Christies überaus schätze, ist nicht zu leugnen, dass es mir gerade auch die filmischen Umsetzungen dieser besonders angetan haben. (Was interessant ist, denn damit gehört eine meiner liebsten Autorinnen gleichzeitig auch zu den wenigen, deren Verfilmungen ich manchmal doch den Texten bevorzuge.)

Die Neuverfilmung von „Mord im Orient Express“ mit Schauspielgrößen wie Kenneth Branagh, Judi Dench und Johnny Depp kam bereits 2017 in die Kinos und es kostete mich nun fast vier Jahre Überwindung, den Film endlich selbst zu sehen. Der Hauptgrund für die so entstandene Lücke in dem Lebenslauf meiner Wertschätzung gegenüber Agatha Christie und ihren Werken war tatsächlich vor allem die Befürchtung, der neue „Mord im Orient Express“ würde mir die Freude an dem alten verderben. Dem war nicht so!

Bereits nach den ersten fünf Minuten hatte mich die Atmosphäre des Films in ihren Bann gezogen. Ich war begeistert von Kenneth Branagh als Hercule Poirot und auch die anderen Figuren, sowie die gesamte Inszenierung und die gewaltigen Bilder machten „Mord im Orient Express“ für mich schnell zu einem neuen Lieblingsfilm. Ich möchte an dieser Stelle auch garnicht zu sehr ins Detail gehen, was die Analyse der gesamten Gestaltung des Film angeht, vor allem weil ich es schlichtweg nicht kann. Weder sehe ich viel fern, noch bin ich bei den Neuigkeiten Hollywoods immer auf dem aktuellen Stand, es ist also zum einen sehr leicht mich mit Filmen zu beeindrucken, zum anderen ist mein Maßstab eines guten Films größtenteils auf die Wirkung dessen auf mich persönlich fokussiert.

Im Folgenden möchte ich euch also einmal kurz die Details und Merkmale von „Mord im Orient Express“ vorstellen, die den Film für mich so besonders machten:

Patrick Doyle

Der Komponist des Soundtracks sagte über Filmmusik einmal „[…] it should be able to, away from the picutre, conjure up the same sort of feelings and images that it was meant to on screen.“ Er ist diesem Grundsatz treu geblieben!

Poirot – Genius, Gestik und Sprache

Natürlich bin ich in dieser Hinsicht insofern voreingenommen, als das ich schon immer ein großer Fan des „Greatest Detective“ war, aber mit einer solchen Einschätzung kommt immer auch eine besondere Erwartungshaltung und diese konnte von Hercule Poirot in „Mord im Orient Express (2017)“ definitiv erfüllt werden. Ich wage fast zu behaupten, dass er zu meinem neuen „Lieblingspoirot“ geworden ist. Zu dieser unbewussten Entscheidung kam ich gegen Ende des Films, denn meiner Meinung nach gehörte der Monolog Poirots zu den bedeutungsgewaltigsten Szenen des ganzen Films. (Unerfahrene Filmkritiker* würden sagen „zu den besten Szenen der Filmgeschichte“.)

*Ich

Die Ästhetik

Jeder der mich etwas besser oder länger kennt, weiß das „Ästhetik“ zu meinen meist genutzten Wörtern überhaupt gehört. Wenn ich also die Ästhetik eines Films oder Romans schätze, ist das eines der größten Komplimente, das ich geben könnte. In diesen Fällen fließt in die ästhetischen Qualitäten für mich noch viel mehr ein, als beispielsweise ein bestimmter Kleidungsstil. Es ist das Zusammenspiel aller künstlerischen und stilistischen Elemente von „Mord im Orient Express“, ob Maske, Musik, Figuren, Umsetzung oder Dialoge, welches für mich perfekt war.

Vielen Dank für das Lesen! Ich wünsche euch allen eine schöne Woche 🙂

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