Der vergessene Charme entlegener Casinos

Wer bei Casinos in erster Linie an Las Vegas typische Reizüberflutung denkt, der sollte sich einmal im Leben in die Tiefen Kaliforniens und Nevadas wagen. Solange bis anstatt eines hübsch-hässlichen Freizeitparks mit Wüstenklima, nur noch Wüste mit einem kleinen Rest menschlichen Bedürfnises nach Freude und Unterhaltung übrig bleibt.

Dieses Urding unserer Existenz hält sich hier recht tapfer aufrecht. Von Geltungsbedürfnis kann in einer so lebensfeindlichen Gegend wohl kaum mehr die Rede sein. Man möchte denken, der Mensch hält sich demütig zurück im Angesicht brennender Naturgewalt. Und dennoch – er versucht…

Und so landet der Reisende an einem Ort, der mehr einer Traumdarstellung Kästners ähnelt, als einem wirklich (!) existierenden (!!) Etwas.

Einem Ort, an dem man sich auf 200 Meilen genausogut auf dem Mars befinden könnte, aber Katzen immer noch Katzen sind.

Wie viel des historischen Charmes tatsächlich älter ist als einige Jahrzehnte sagt einem natürlich niemand so genau.

So saß ich abends rätseld vor dem Spiegel und hätte zu gerne gewusst, ob die ersten Damen, die es mir gleichtaten glamuröse Showgirls waren, oder von Hitze und AirCon geplagte Touristen. Wahrscheinlich war es letzteres. Zu schade…

Impressionen aus Big Island

Vom LA International Airport (vielen Dank an Susan Raye für den damit immer einhergehenden Ohrwurm) nach Kailua-Kona sind es Luftlinie gut 4.000 Kilometer.

Gut möglich, dass Hawaii der perfekte Ort für jeden leicht auf der Fassung zu bringenden Touristen ist. Die Insel kommt idyllischen Werbeprospekten recht nahe!

Unendliches Blau

An diesem Stand bekam man endlich die lang ersehnten Schildkröten zu Gesicht.

Gemütliche Gestalten

Und was wäre Hawaii ohne Vulkangestein?

Hawaii Volcanoes National Park

Wieso sich Boston auch im Regen lohnt

Boston, die Stadt der so unglaublich kreativ benannten Boston Tea Party und urbaner Idealtyp Neuenglands lässt seine Besucher an jeder Ecke den so typischen „american spirit“, den Drang nach Freiheit spüren und auch wenn dieser ein allgemeines Phänomen der USA ist, so wird gerade in diesem Zusammenhang doch immer sehr der East Coast-, West Coast-Unterschied deutlich, vor allem bei einer Tour durch die großen und alten Städte der Ostküste.

Boston

Während die Westküste mit ihren endlosen Highways, schnurgerade Wüstenstraßen, unglaublich kurvigen Küstenwegen und 1950s Diners vor allem dem (gewissermaßen) modernem Wookstock Freiheitsdrang entspricht, umgibt die Ostküste, damit allen voran Boston, ein ganz anderer, reiferer Freiheitsgedanke. Die Urform dessen: Independence

Es wäre naiv zu glauben, das Wissen über den Beitrag Bostons zur Unabhängigkeitsgeschichte Amerikas sei nur wenigen Geschichtskennern vorbehalten und der Rest der Welt spaziere beim Gang durch die Stadt durch ein ihm völlig austauschbar scheinendes Häusermeer. Man ist sich dem historischen Erbe in der Stadt natürlich sehr wohl bewusst und setzt äußersten Wert drauf, dieses an jeder Straßenecke und Weggabelung aufs Neue durch ein paar hundert Jahre alte (nach amerikanischem Standard also höchst historisch, praktisch antike) Gebäude mit entsprechenden Informationstafeln oder auch dem „Freedom Trail“ medial und touristisch zu nutzen.

So ironisch Teile dieses kurzen Berichtes nun klingen vielleicht klingen mögen, es macht wirklich Spaß, an verregneten Herbstnachmittagen ausgestattet mit einem guten Regenschirm und warmen Mantel durch die Stadt zu schlendern, um einfach einmal zu sehen, wohin diese auffällig unauffälligen historischen Sehenswürdigkeiten rund um den „Freedom Trail“ führen.


Geht man die abendliche Unterhaltung in Boston ähnlich spontan an wie obiges Projekt, kann ich versprechen, dass man ebenfals auf seine Kosten kommen wird. Zwar spielt sich das Bostoner Nachtleben nicht wie in manchen legendären Metropolen auf den Straßen ab („One Night in Bangkok…“), dafür aber in den hunderten Pubs und Bars der Stadt. Dennoch ist dies eine Tatsache, die Reiseführer ablehnende, Hongkong und Bangkok verwöhnte, Spontanreisende erst einmal gelernt haben müssen.

Auch sollte man darauf vorbereitet sein, dass einige dieser Vielzahl an Pubs und Bars nicht übersichtlich auf einer Laufstrecke liegen, sondern gerade so, dass Pub A versichert sein kann, seine Stamm- und Laufkundschaft nach einer langen Nacht nicht mehr an die Konkurrenz aus Pub B verlieren zu können, denn eben diese Stammkundschaft wäre zu einem solchen Gewaltmarsch weder physisch noch mental in der Lage.

An jenem besagten regnerischen Herbstabend führte das nun also dazu, dass man anstatt des erhofften urigen Pubs am Bostoner Hafen nur einen verlassenen und einen mit geschlossener Gesellschaft vorfand. Die aus eben genannten Gründen abweichenden Öffnungszeiten waren nun aber definitiv nicht auf Google Maps, dem modernen besten Freund eines jeden Reisenden zu finden.

Kombiniert mit der mathematisch nicht belegten Tatsache, dass die Wartezeit auf Uber und Taxi Services mit schlechter werdenem Wetter exponentiell steigt hieß das Folgendes: Man hatte Zeit, sehr viel Zeit, sich mit dem ruhigen (um nicht zu sagen höchst langweilig und eintönig scheinenden) Bostoner Hafenviertel sehr genau auseinanderzusetzen. Regenschirme schützen auch nicht vor Wind und Kälte, also ging es in eine dunkle Gasse direkt am Kai, von welcher aus man die Lichter der wesentlich belebteren Stadt am anderen Ende des Hafenbeckens ein kleines bisschen neidisch beobachten konnte. Die Stimmung war einem dieser typischen Werke der Großstadtlyrik irgendwann um die Jahrhundertwende nicht unähnlich…

[…]
Nachtregen hüllt den Platz in eine Höhle,
Wo Fledermäuse, weiß, mit Flügeln schlagen
Und lila Quallen liegen – bunte Öle;
[…]

(Auf der Terrasse des Café Josty – Paul Boldt)

Monate später habe ich durch Zufall erfahren, dass der Platz am Hafen, an dem ich etwas unfreiweillig einen Teil meines Abends verbrachte, den ich im Zuge dessen in seiner Art aber doch auf eine Art schätzen lernte, ein beliebtes Ziel für Fotografen auf der Suche nach einem charakteristischen Boston Motiv ist. Obwohl ich nur wenig Wissen über Photographie habe muss ich sagen, ich verstehe, wie beeindruckend und schön der Blick auf die Stadt von diesem kleinen Ort aus ist.


Nicht nur im Regen und bei Nacht halte ich Boston für ein wunderschönes Reiseziel, perfekt für jeden, der den schnörkelig-historisch-modernen Ostküstenflair liebt, sondern auch ganz allgemein erlebte ich die Stadt gerade zu den unmöglichsten Zeiten als besonders beeindruckend.

Wer also kein Nachtmensch ist oder lieber von Anfang an die richtigen Restaurants während ihrer tatsächlichen Öffnungszeiten besucht, dem kann ich nur ans Herz legen, einmal irgendwann zwischen 5 Uhr und 7 Uhr morges durch die Stadt zu gehen. Die meisten Geschäfte sind zu dieser Zeit zwar noch geschlossen, aber es reicht allemal um sich bequem einen Bagel und einen schwarzen Kaffee bei Starbucks zu holen und anschließend dem berühmten Boston Market noch vor dem ersten Besucherstrom beim Aufwachen und Aufbau zuzusehen.

(Von dem wunderschönen Laternenlicht auf den roten Mauern und Straßen im Morgennebel ganz zu schweigen.)

Boston und seine Straßenlaternen um 6 Uhr morgens
Boston, MA | 6 Uhr morgens

„Gentleman Jack“ Anne Lister – Meine Leseempfehlungen

Zu meinen liebsten, weniger bekannten, Persönlichkeiten der Geschichte gehört definitiv Anne Lister.

Anne Lister lebte im viktorianischen England und machte sich durch ihre überlieferten Tagebuchaufzeichnungen bis heute einen Namen in der Weltgeschichte und gerade auch in der LGBTQ+ Community.

Die Bekanntheit hat vor allem einen Grund, denn Anne Lister, genannt „Gentleman Jack“, war, was die Erwartungen ihrer Zeit an eine Dame anging, alles andere als konform. Sie reise viel, las viel, hatte ein großes Interesse an Medizin und Anatomie und „heiratete“ Anne Walker im Jahr 1834 in der Holy Trinity Church in York.

Neben Anne Listers Biographie an sich sind es gerade die zugehörigen Tagebucheinträge, die überhaupt erst dazu führten, dass ich heute diesen Blogbeitrag schreiben kann. Statistisch betrachtet gehören ihre Aufzeichnungen, die sie seit jungen Jahren in eigens dafür gefertigten Tagebüchern anfertigte, zu den längsten fortlaufenden historischen Kommentaren der Geschichte. Teile der Tagebücher sind darüber hinaus außerdem chiffriert geschrieben und wurden erst Stück für Stück entschlüsselt.

Da ich grundsätzlich eine große Liebhaberin historischer, originaler Aufzeichnungen bin, wird es nicht überraschen, dass ich bereits einige Bücher rund um Anne Listers Leben und Tagebücher verschlungen habe, die ich alle aus unterschiedlichen Gründen empfehlen kann.

Grundsätzliche halte ich für sinnvoll zwischen zwei Arten der biographischen Darstellung rund um Anne Lister zu unterscheiden, denn zum einen gibt es solche Bücher, die ihr Leben größtenteils biographisch und erzählerisch darstellen und solche, die sich stärker an den originalen Tagebücher orientieren.

„Anne Lister – Eine erotische Biographie“ (Angela Steidele)

„Anne Lister – Eine erotische Biographie“ gehört zu den biographischen Werken um Anne Lister und stellt ihr Leben vor allem aus der Perspektive Dritter dar. Während das einerseits ein guter Weg ist um viel über das Leben Listers zu erfahren, bleiben ihre eigentlichen Gedanken und Lebenseinstellungen, von denen gerade die Tagebucheinträge profitieren, leider außen vor.

Dennoch gibt diese Art der Erzählung einen guten Einblick darauf , wie Anne Lister zu Lebzeiten von vielen gesehen werden musste, eine Tatsache, die wiederum in den Tagebüchern oft vergessen wird.

Trotz allem finde ich es schade, dass viele der Kritikpunkte die in „Anne Lister – Eine erotische Biographie“ angesprochen werden, durch das autobiographische Werk Anne Listers, in dem sie sich vielen dieser Kritikpunkte sogar selbst bewusst ist, eine Erklärung finden könnten.

„The Secret Diaries of Miss Anne Lister – I Know My Heart“ (Helena Whitbread, Anne Lister)

Dieses Buch gehörte zu den ersten, in denen die Tagebücher Anne Listers neu aufbereitet und dargestellt wurden.

Größtenteils besteht „The Secret Diaries of Miss Anne Lister – I Know My Heart“ aus originalen Aufzeichnungen von Anne Lister, die teilweise durch biographische Erklärungen und Zusammenfassungen komplettiert werden.

Für mich persönlich war dieses Buch das beeindruckendste und interessanteste über Anne Lister. Es war nach Angela Steideles Biographie das zweite, welches ich gelesen hatte und gerade die originalen Tagebuchabschriften faszinierten mich besonders.

Sollte ich eine spezielle und nur eine Leseempfehlung abgeben, würde ich mich für dieses Buch entscheiden, denn es gibt dem Leser einen perfekten Einblick in das Leben, das Umfeld und den Werdegang Anne Listers.

Auch die folgenden Leseempfehlungen um Anne Lister basieren erzählerisch auf dem gleichen Prinzip, wie „The Secret Diaries […]“ und sind aus denselben Gründen höchst empfehlenswert.

„The Secret Diaries of Miss Anne Lister – No Priest but Love“ ist gewissermaßen die Fortsetzung des ersten Werks um Anne Lister von Helena Whitbread.

„Gentleman Jack: The Real Anne Lister“ wurde von Sally Wainwright und Anne Choma verfasst und im Zuge der Serie „Gentleman Jack“ herausgegeben.

Da beide Autorinnen in großen Teilen mit den Originaltexten arbeiten und eng an der filmischen und textnahen Umsetzung des autobiographischen Werks beteiligt sind, gibt dieses Werk einen besonders guten Einblick in die Gedankenwelt Anne Listers.

Neben meiner ersten großen Empfehlung wäre „Gentleman Jack: The Real Anne Lister“ sofort meine nächste Wahl.

Ich hoffe ich konnte mit dieser kleinen Zusammenstellung einen guten Einblick in die literarische Welt rund um Anne Lister geben. Habt eine schöne Woche!

Über den Text hinaus – Mord im Orient Express

In meiner Rubrik „Über den Text hinaus“ behandle ich all jene Themen, die offensichtlich oder im Entferntesten die Literatur betreffen könnten. Besonders oft endet dies in Biographien und weiteren Medien. Heute dem Film.

Meine Obsession mit Agatha Christie lässt sich bereits Jahre zurückverfolgen und begann mit den klassischen schwarz-weiß Miss Marple Filmen und der wunderbaren Margaret Rutherford. Während ich also die Originalwerke Christies überaus schätze, ist nicht zu leugnen, dass es mir gerade auch die filmischen Umsetzungen dieser besonders angetan haben. (Was interessant ist, denn damit gehört eine meiner liebsten Autorinnen gleichzeitig auch zu den wenigen, deren Verfilmungen ich manchmal doch den Texten bevorzuge.)

Die Neuverfilmung von „Mord im Orient Express“ mit Schauspielgrößen wie Kenneth Branagh, Judi Dench und Johnny Depp kam bereits 2017 in die Kinos und es kostete mich nun fast vier Jahre Überwindung, den Film endlich selbst zu sehen. Der Hauptgrund für die so entstandene Lücke in dem Lebenslauf meiner Wertschätzung gegenüber Agatha Christie und ihren Werken war tatsächlich vor allem die Befürchtung, der neue „Mord im Orient Express“ würde mir die Freude an dem alten verderben. Dem war nicht so!

Bereits nach den ersten fünf Minuten hatte mich die Atmosphäre des Films in ihren Bann gezogen. Ich war begeistert von Kenneth Branagh als Hercule Poirot und auch die anderen Figuren, sowie die gesamte Inszenierung und die gewaltigen Bilder machten „Mord im Orient Express“ für mich schnell zu einem neuen Lieblingsfilm. Ich möchte an dieser Stelle auch garnicht zu sehr ins Detail gehen, was die Analyse der gesamten Gestaltung des Film angeht, vor allem weil ich es schlichtweg nicht kann. Weder sehe ich viel fern, noch bin ich bei den Neuigkeiten Hollywoods immer auf dem aktuellen Stand, es ist also zum einen sehr leicht mich mit Filmen zu beeindrucken, zum anderen ist mein Maßstab eines guten Films größtenteils auf die Wirkung dessen auf mich persönlich fokussiert.

Im Folgenden möchte ich euch also einmal kurz die Details und Merkmale von „Mord im Orient Express“ vorstellen, die den Film für mich so besonders machten:

Patrick Doyle

Der Komponist des Soundtracks sagte über Filmmusik einmal „[…] it should be able to, away from the picutre, conjure up the same sort of feelings and images that it was meant to on screen.“ Er ist diesem Grundsatz treu geblieben!

Poirot – Genius, Gestik und Sprache

Natürlich bin ich in dieser Hinsicht insofern voreingenommen, als das ich schon immer ein großer Fan des „Greatest Detective“ war, aber mit einer solchen Einschätzung kommt immer auch eine besondere Erwartungshaltung und diese konnte von Hercule Poirot in „Mord im Orient Express (2017)“ definitiv erfüllt werden. Ich wage fast zu behaupten, dass er zu meinem neuen „Lieblingspoirot“ geworden ist. Zu dieser unbewussten Entscheidung kam ich gegen Ende des Films, denn meiner Meinung nach gehörte der Monolog Poirots zu den bedeutungsgewaltigsten Szenen des ganzen Films. (Unerfahrene Filmkritiker* würden sagen „zu den besten Szenen der Filmgeschichte“.)

*Ich

Die Ästhetik

Jeder der mich etwas besser oder länger kennt, weiß das „Ästhetik“ zu meinen meist genutzten Wörtern überhaupt gehört. Wenn ich also die Ästhetik eines Films oder Romans schätze, ist das eines der größten Komplimente, das ich geben könnte. In diesen Fällen fließt in die ästhetischen Qualitäten für mich noch viel mehr ein, als beispielsweise ein bestimmter Kleidungsstil. Es ist das Zusammenspiel aller künstlerischen und stilistischen Elemente von „Mord im Orient Express“, ob Maske, Musik, Figuren, Umsetzung oder Dialoge, welches für mich perfekt war.

Vielen Dank für das Lesen! Ich wünsche euch allen eine schöne Woche 🙂

19 Dinge, die ich in 19 Jahren gelernt habe

Dieser Blogbeitrag gehört definitv in die Kateogrie solcher, die einen persönlichen Zweck verfolgen. Es handelt sich um einen Text, den ich vor allem auch für mich selbst zur Dokumentation verfasst habe.

I. Regelmäßigkeit wird unterschätzt

Ob man es nun „Consistency is key“, „Habit Tracker“ oder Disziplin nennen möchte, das Ergebnis des Ganzen bleibt größtenteils gleich. Bereits ein sehr kluger Schriftsteller oder Philosoph, dessen Name und Werk mir leider entfallen sind, weshalb ich auf die Sinnebene zurückgreifen muss, sagte, dass es eine wesentlich größere Errungenschaft darstellt, etwas regelmäßig und immer wieder in kleinen Teilen zu schaffen, als ein einziges Mal. Ich kann dem nur zustimmen, zum einen ist es gerade zu Beginn oft schwierig sich eine neue Routine oder Arbeitsweise anzueignen, doch erlangt man schließlich die Regelmäßigkeit dahinter, kommt man dadurch auf der imaginären Lernkurve um ein Vielfaches schneller voran.

II. Die Schnittmenge von Aussage und Handlung

Bis heute erlebe ich es oft immer wieder, vor allem auf Social Media aber durchaus auch im „echten“ Leben, dass ich eine Person treffe und mich die Meinungen oder Aussagen dieser Person bewundernd aber auch etwas eingeschüchtert oder ungläubig zurücklassen. Das Ganze ist, um ein spezielleres Beispiel zu wählen, recht gut vergleichbar mit dem ein oder anderem TED Talk, „Entrepeneur“ oder auch Studytube Kanal. Produktivität und Erfolg sind relativ. Jeder ist in der Lage diese Parameter und deren Wichtigkeit für sich selbst zu definieren und meiner Erfahrung nach ist die Menge des Arbeitspensums und des Zeitaufwands eines Menschen nicht automatisch ein Indikator für diese Maßstäbe. Was ich damit sagen möchte ist, dass es absolut wichtig und gut ist Motivation und Inspiration in anderen zu finden, aber dennoch sollte man hinterfragen. Es kann helfen Handlungen von Aussagen für einen Moment zu trennen und somit eventuelle Diskrepanzen für sich sichtbar zu machen.

III. Besondere Interessen sind die wichtigsten Details des Lebens

Mit Überschrift Nummer Drei ist eigentlich alles gesagt. Lernt Neues! Bleibt interessiert!

IV. Geschmäcker sind selten konstant

Während ich vor einigen Jahren dieser Aussage noch heftig widersprochen hätte, kann ich heute bestätigen, dass sich Interessen und Geschmacksfragen verändern werden und dürfen. Es kann sehr befreiend sein, selbstauferlegte Maximen loszulassen und seine Fühler auszustrecken. Damit meine ich nicht, dass man unbedingt ständig aus der persönlichen Komfortzone ausbrechen muss, vor allem wenn man sich des Wertes bestimmter Dinge für sich selbst bewusst ist, ich rede viel ehr von einer Art Erweiterung der Komfortzone.

V. Habt keine Angst etwas zu wollen

Kein Mensch der Welt möchte unnötig viele Sorgen haben, deshalb kann es manchmal einfacher und angenehmer scheinen sich um bestimmte Dinge einfach nicht zu sorgen. Jedoch hat diese Tatsache einen Haken: Lässt man keine negativen Gefühle über etwas zu, kann es genauso leicht geschehen, dass um Umkehrschluss auch die positiven Gefühle darüber ausbleiben. Fazit: Es lohnt sich, sich einzugestehen etwas zu schätzen oder anzustreben.

VI. Es gibt keine originellen Gedanken

Die wenigsten Menschen sind wahre Genies einer Fachrichtung und auch die antiken Universalgelehrten sind zu meiner großen Bedauerung bereits größtenteils ausgestorben, haben uns aber netterweise einiges an Wissen mit auf den Weg gegeben. Das lässt uns in einer Realität zurück, in der man sich zwar sehr wohl der Qualität dieses und des in manchen Fällen darüber hinaus gehenden Wissens bewusst ist, man jedoch des öfteren zu der falschen Annahme geneigt ist, eben dieses Wissen für überaus exklusiv zu halten.

Anders gesagt: Wenn du klug genug warst dir einen bestimmten Gedanken zu machen, gibt es zumindest das Potential dazu auch in einem anderen Menschen. (Oder hat es in manchen Fällen sogar bereits gegeben, man denke nur an Leibnitz und Newton).

Welche Grundsätze habe ich daraus nun für mich geschlossen?

  • Keine unnötigen Lügen, denn wenn du sie dir ausdenken konntest, kann auch ein anderer sie aufdecken
  • Ideen und Inspirationen zeitnah umsetzten
  • Dinge dokumentieren

VII. Produktivität ist vielseitig

Dieser Punkt knüpft an Nummer Zwei an. Was für den einen Freizeitaktivität oder Entspannung ist, ist für den anderen bereits eine produktive Beschäftigung. Es ist also alleine deshalb vollkommen unmöglich ständig produktiv zu sein, denn um dies bewerkstelligen zu können, benötigte man ein Konzept objektiver Produktivität, was ihrem Wesen jedoch widerspricht.

VIII. Kreieren vs. Konsumieren

Diesem Aspekt möchte ich vor allem dem widmen, was ich in den letzten Jahren über Social Media gelernt habe. Zwar baut das Ganze an dieser Stelle besonders auf einer persönlichen Meinung auf, dennoch denke ich, dass es sich hierbei um einen guten Denkanstoß handeln könnte. Mir viel in der Vergangenheit oft auf, dass ich zwar jeden Tag im Großen und Ganzen ungefähr gleich viel Zeit auf Sozialen Medien verbrachte, dennoch wechselte der Effekt, den diese auf mich hatten. Irgendwann habe ich schließlich gemerkt, dass die Nutzen Sozialer Netzwerke dann am positivsten scheinen, wenn man sich selbst die Zeit nimmt, diese aktiv für sich zu nutzen. Nehme ich beispielsweise Instagram, TikTok oder YouTube als eine Platform zum Teilen meiner und Interagieren mit meinen persönlichen Interessen, kann ich einen viel größeren Nutzen daraus ziehen, als würde ich lediglich ziellos herumscrollen.

IX. Die Schnelllebigkeit von Trends

Es lohnt sich nicht, sich mit einem Trend zu beschäftigen, wenn diesem spontanen Interesse keine persönliche Motivation zu Grunde liegt. Letztendlich ist es nicht viel mehr als Zeitverschwendung, sich mit etwas auseinanderzusetzen, das nach nur wenigen Wochen bereits einen Großteil seiner Bedeutung einbüßen wird.

X. Die Stoa

Da wir mit Punkt Zehn jetzt bereits die Hälfte von „Leonies Lebensweisheiten“ erreicht haben, gebe ich mir Mühe mich im Folgenden etwas kürzer zu fassen.

Alles was ich hierzu sagen werde ist also: Eine stoische(-re) Lebenseinstellung kann in vielen Situationen sehr hilfreich sein. (Der aufmerksame Leser wird an dieser Stelle eine kleine Unstimmigkeit mit Punkt Drei bemerken, und ich muss zugeben, dass es sich hierbei um eine Tatsache handelt, an der ich selbst momentan noch arbeite.)

XI. Menschen sind nicht unfehlbar

Es ist wenig sinnvoll sich komplett auf die eigene Einschätzung, aber auch die Einschätzung anderer zu verlassen, denn niemand kann je alles wissen. Pläne können und werden sich verändern und man selbst macht Fehler, die man lieber nicht gemacht hätte. Eine Tatsache des menschlichen Lebens, die man wohl oder übel akzeptieren muss.

XII. Qualität > Quantität

Bereits in meinen vorherigen Punkten ist dieser Grundsatz immer wieder vereinzelt mitgeschwungen und deshalb wollte ich ihm auch einen eigenen Absatz widmen. Es ist ein Grundsatz den ich wirklich jedem sehr ans Herz legen kann und egal ob Entscheidungen, Käufe oder Konzepte, ich war immer zufriedener mit dem Ergebnis, wenn ich nach diesem Prinzip geurteilt habe.

XIII. Check your privilege

Dieser Punkt steht für sich. Bewusst weniger egozentrisch denken kann ein Anfang sein und eine solche Denkhaltung ist die Eigenschaft eines guten Gesprächspartners.

XIV. Überdenkt euer Konsumverhalten

Ich bin kein perfekter, nicht mal ein guter, nachhaltiger Konsument. Dennoch habe ich in den letzten Monaten darauf geachtet, mein Konsumverhalten bewusst zu analysieren und herunterzuschrauben. Es hat mir nicht geschadet, ganz im Gegenteil ich kaufe überlegter und seltener.

XV. Networking

Je älter ich werde, desto mehr merke ich, dass es sich immer lohnt Menschen zu kennen.

Dieser Punkt ist auch als eine Art zukünftiger Punkt zu lesen, denn ich habe bei Weitem zu wenig Erfahrung um in diesem Bereich Tipps geben zu können.

XVI. Dokumentiert euer Leben

Jeder der micht kennt weiß, dass ich ein großes Faible für Listen und Tagebücher aller Art hege. Tatsächlich weiß ich nicht einmal mehr seit wie vielen Jahren ich bereits über mein Leben schreibe und somit kann ich Punkt 16 an dieser Stelle wahrscheinlich als eine persönliche Lebensweisheit erster Stunde bezeichnen.

XVII. „Find a kingdom within“

Ein Zitat, auf das ich zufällig bei meinen Recherchen rund um die Philokalia gestoßen bin.

XVIII. Kleider machen Leute

Ich lege das Zitat selten im Bezug auf andere Menschen aus, sondern halte es vielmehr für einen Grundsatz des Respekts gegenüber sich selbst. Es lohnt sich, etwas Zeit und Mühe in den persönlichen Stil zu stecken.

XIX. Behaltet den Überblick

Egal ob beim Erstellen von Plänen, Listen, beim Lernen oder ganz allgemein im Leben. Es ist so unglaublich wichtig, sich nicht zu verlieren.

Das waren sie, meine 19 Lebensweisheit aus 19 Jahren. Vielen Dank fürs Lesen!