„Gentleman Jack“ Anne Lister – Meine Leseempfehlungen

Zu meinen liebsten, weniger bekannten, Persönlichkeiten der Geschichte gehört definitiv Anne Lister.

Anne Lister lebte im viktorianischen England und machte sich durch ihre überlieferten Tagebuchaufzeichnungen bis heute einen Namen in der Weltgeschichte und gerade auch in der LGBTQ+ Community.

Die Bekanntheit hat vor allem einen Grund, denn Anne Lister, genannt „Gentleman Jack“, war, was die Erwartungen ihrer Zeit an eine Dame anging, alles andere als konform. Sie reise viel, las viel, hatte ein großes Interesse an Medizin und Anatomie und „heiratete“ Anne Walker im Jahr 1834 in der Holy Trinity Church in York.

Neben Anne Listers Biographie an sich sind es gerade die zugehörigen Tagebucheinträge, die überhaupt erst dazu führten, dass ich heute diesen Blogbeitrag schreiben kann. Statistisch betrachtet gehören ihre Aufzeichnungen, die sie seit jungen Jahren in eigens dafür gefertigten Tagebüchern anfertigte, zu den längsten fortlaufenden historischen Kommentaren der Geschichte. Teile der Tagebücher sind darüber hinaus außerdem chiffriert geschrieben und wurden erst Stück für Stück entschlüsselt.

Da ich grundsätzlich eine große Liebhaberin historischer, originaler Aufzeichnungen bin, wird es nicht überraschen, dass ich bereits einige Bücher rund um Anne Listers Leben und Tagebücher verschlungen habe, die ich alle aus unterschiedlichen Gründen empfehlen kann.

Grundsätzliche halte ich für sinnvoll zwischen zwei Arten der biographischen Darstellung rund um Anne Lister zu unterscheiden, denn zum einen gibt es solche Bücher, die ihr Leben größtenteils biographisch und erzählerisch darstellen und solche, die sich stärker an den originalen Tagebücher orientieren.

„Anne Lister – Eine erotische Biographie“ (Angela Steidele)

„Anne Lister – Eine erotische Biographie“ gehört zu den biographischen Werken um Anne Lister und stellt ihr Leben vor allem aus der Perspektive Dritter dar. Während das einerseits ein guter Weg ist um viel über das Leben Listers zu erfahren, bleiben ihre eigentlichen Gedanken und Lebenseinstellungen, von denen gerade die Tagebucheinträge profitieren, leider außen vor.

Dennoch gibt diese Art der Erzählung einen guten Einblick darauf , wie Anne Lister zu Lebzeiten von vielen gesehen werden musste, eine Tatsache, die wiederum in den Tagebüchern oft vergessen wird.

Trotz allem finde ich es schade, dass viele der Kritikpunkte die in „Anne Lister – Eine erotische Biographie“ angesprochen werden, durch das autobiographische Werk Anne Listers, in dem sie sich vielen dieser Kritikpunkte sogar selbst bewusst ist, eine Erklärung finden könnten.

„The Secret Diaries of Miss Anne Lister – I Know My Heart“ (Helena Whitbread, Anne Lister)

Dieses Buch gehörte zu den ersten, in denen die Tagebücher Anne Listers neu aufbereitet und dargestellt wurden.

Größtenteils besteht „The Secret Diaries of Miss Anne Lister – I Know My Heart“ aus originalen Aufzeichnungen von Anne Lister, die teilweise durch biographische Erklärungen und Zusammenfassungen komplettiert werden.

Für mich persönlich war dieses Buch das beeindruckendste und interessanteste über Anne Lister. Es war nach Angela Steideles Biographie das zweite, welches ich gelesen hatte und gerade die originalen Tagebuchabschriften faszinierten mich besonders.

Sollte ich eine spezielle und nur eine Leseempfehlung abgeben, würde ich mich für dieses Buch entscheiden, denn es gibt dem Leser einen perfekten Einblick in das Leben, das Umfeld und den Werdegang Anne Listers.

Auch die folgenden Leseempfehlungen um Anne Lister basieren erzählerisch auf dem gleichen Prinzip, wie „The Secret Diaries […]“ und sind aus denselben Gründen höchst empfehlenswert.

„The Secret Diaries of Miss Anne Lister – No Priest but Love“ ist gewissermaßen die Fortsetzung des ersten Werks um Anne Lister von Helena Whitbread.

„Gentleman Jack: The Real Anne Lister“ wurde von Sally Wainwright und Anne Choma verfasst und im Zuge der Serie „Gentleman Jack“ herausgegeben.

Da beide Autorinnen in großen Teilen mit den Originaltexten arbeiten und eng an der filmischen und textnahen Umsetzung des autobiographischen Werks beteiligt sind, gibt dieses Werk einen besonders guten Einblick in die Gedankenwelt Anne Listers.

Neben meiner ersten großen Empfehlung wäre „Gentleman Jack: The Real Anne Lister“ sofort meine nächste Wahl.

Ich hoffe ich konnte mit dieser kleinen Zusammenstellung einen guten Einblick in die literarische Welt rund um Anne Lister geben. Habt eine schöne Woche!

Die Shortlist meiner Leseliste für 2021

Es wäre eine Lüge zu sagen, die folgenden acht Bücher und Autoren würden dem Umfang meiner zukünftigen Leseliste auch nur annähernd nahe kommen, dennoch handelt es sich bei diesen Werken um solche, die ich unbedingt in naher Zukunft gelesen haben möchte.

Im Vergleich zu meinen anderen sogenannten „tbr“s („tbr“ = „to be read“) besteht diese Shortlist größtenteils aus Büchern, die ich als Empfehlungen in anderen Texten oder von anderen Bloggern entdeckt habe, weshalb sie auch lesetechnische Priorität erlangen konnten.

9 1/2 perfekte Morde: Wenn Schuldige davon kommen – Ein Strafverteidiger deckt auf

„Zweifellos hat es perfekte Morde gegeben, sonst wüsste man ja etwas von ihnen.“ (Alfred Hitchcock)

„9 1/2 perfekte Morde“ von Alexander Stevens habe ich über Elena Handtrack entdeckt und ich fand das Konzept des Buches sofort so interessant, dass es mir seitdem nicht mehr aus dem Kopf gehen wollte. Gerade auch, da ich mich 2021 mehr mit juristisch angehauchten, beziehungsweise inspirierten, Texten befassen möchte, passt „9 1/2 perfekte Morde“ perfekt auf meine Leseliste 2021.

Philosophisches Taschenwörterbuch

„Ich bin nicht einverstanden mit dem, was Sie sagen, aber ich würde bis zum Äußersten dafür kämpfen, dass Sie es sagen dürfen.“ (Voltaire)

Mein Wunsch Voltaires berühmtes „Philosophisches Taschenwörterbuch“ zu lesen entsprang meinem „Kulturgeschichte der Menschheit“-Marathon gegen Ende von 2020. In dem Band aus Will und Ariel Durants Reihe, der dem Zeitalter Voltaires gewidmet ist, wurde das „Philosophische Taschenwörterbuch“ mehrmals erwähnt und ist infolgedessen schnell auf meiner 2021 tbr-Liste gelandet.

Über die Kunst, nüchtern und präzise zu philosophieren

Auch an diesem Werk sieht man wieder deutlich, dass ich mich in diesem Jahr nicht nur mit „der Juristerei“, sondern auch mit „der Philosophie“ beschäftige. Ich muss zugeben, dass ich nicht mehr genau weiß wie „Über die Kunst, nüchtern und präzise zu philosophieren“ in die Sammlung meiner Wunschbücher für 2021 gekommen ist, aber bei erneutem Durchlesen schien das Werk plötzlich aufgetaucht zu sein. (Anmerkung: Bei genauerer Recherche habe ich erfahren, dass „Über die Kunst, nüchtern und präzise zu philosophieren“ ein Werk des Philosophen Anton Wilhelm Amo ist. Dieser war ein schwarzer Philosoph der Gegenwart, sein Werk scheint auf den ersten Blick jedoch leider entweder verschollen, oder nur sehr schwer auffindbar. Ich werde mich dennoch weiter auf die Suche begeben.)

Die Tsantsa Memorien

„Was einmal ein Objekt der Kultur war, ist immer auch ein Objekt der Barbarei. Und wenn wir das bedenken, dann gehen wir vielleicht vorsichtiger, mitleidiger und emphatischer mit der Welt um.“ (Jan Koneffke zitiert Walter Benjamin)

„Die Tsansta Memorien“ von Jan Koneffke erschienen im September letzen Jahres und bereits seit Dezember 2020 befindet sich der Roman auch bereits bei mir zu Hause. Trotz dieser mehr oder weniger perfekten Vorbereitung bin ich seitdem noch nicht über Seite eins herausgekommen. Es bleibt also ein spannendes Leseprojekt für dieses Jahr.

Shanghai ’37

„Berlin war so herrlich lebendig, so geladen mit einer seltsamen Elektrizität“ (Vicki Baum)

Vicki Baums „Schanghai ’37“ fiel mir vor allem aufgrund meiner sofortigen Assoziation mit der wunderbaren Marlene Dietrich in „Shanghai Express“ ins Auge. Danach war es die Biographie der Autorin selbst, eine der bekanntesten der Weimarer Republik, die mein Interesse weiter weckte.

The Handmaid’s Tale

„Don’t let the bastards grind you down.“

Es gibt wenig bedeutendere Gründe hinter der Wahl von Margaret Atwoods Roman „The Handmaid’s Tale“, als die bloße Tatsache, dass ich mittlerweile so oft davon gehört habe, dass ich mich mittlerweile selbst einmal mit dem Werk befassen möchte.

Clarice Lispector

„I only achieve simplicity with enormous effort.“

In diesem Fall ist es kein spezielles Werk, kein spezieller Roman, sondern eine Autorin, die mich fasziniert. Ende letzten Jahres las ich in der Zeit einen Artikel über die brasilianische Schriftstellerin und habe es mir seither zum Ziel gesetzt mindestens eines ihrer Werke, bevorzugt einen Roman oder eine Kurzgeschichte, zu lesen.

John Le Carré

„Einmal ein Spion, immer ein Spion – Ich glaube das ist vollkommen richtig.“

Wieder war es ein Zeitungsartikel, der mein Interesse an einem, mir bis dato unbekanntem, Autoren wecke. John Le Carré, selbst ein Mitarbeiter des britischen Geheimdienstes, wurde um 1960 mit seinen Agentenromanen zu einem der erfolgreichen Schriftstellern des Genres. Für mich persönlich war dies Grund genug, einen genaueren Blick auf seine Werke zu werfen, vor allem da ich auch in der Vergangenheit immer wieder eine besondere Schwäche für Spionageromane hatte.

Bücher für lange Winterabende

Es wird mir auf ewig ein Rätsel bleiben, weshalb es gerade Winternächte sind, in denen Texte und Bücher eine völlig neue Unterhaltungsebene zu erreichten scheinen.

Hier also ein Liste, der Bücher, die ich für eben diese Momente besonders empfehlen kann.

Mord im Orient Express

„My name is Hercule Poirot and I am probably the greatest detective in the world“

Agatha Christie schrieb „Mord im Orient Express“ (im Originalen „Murder on the Orient Express“), einen Kriminalroman rund um den genialen Hercule Poirot im Jahr 1933. Spätestens seit der spektakulären Neuverfilmung 2017 wird den meisten wenigstens die ungefähre Handlung ein Begriff sein und ich bin mir sicher, dass jeder der an dieser Verfilmung Gefallen fand, auch das Original schätzen wird. Neben Werken wie „Alibi“ und „And Then There Were None“ gehört „Mord im Orient Express“ für mich persönlich zu den absoluten Meisterwerken Agatha Christies, auch wenn diese Wahl manchen eventuell zu offensichtlich erscheinen könnte.

Die Atmosphäre und Spannung, die in „Mord im Orient Express“ rund um Detektiv und Mord gewoben wird ist prädestiniert dafür, an winterlichen Nachmittagen verschlungen zu werden.

Die Brüder Karamasow

„Das Leben ist ein Paradies, und alle sind wir im Paradiese, wir wollen es nur nicht wahrhaben; wenn wir es aber wahrhaben wollten, so würden wir morgen im Paradiese sein.“

„Die Brüder Karamasow“ wurden von Fjodor Michailowitsch Dostojewski gegen Ende des 19. Jahrhunderts verfasst und sind somit, eine Information für alle Liebhaber des autobiographischen Lesens, ein Werk, das gewissermaßen von den letzten Schaffensjahren des russischen Schriftstellers geprägt wurde.

Für mich sind „Die Brüder Karamasow“ ein Lebenswerk in jeder Hinsicht. Zum einen Aufgrund des Autors selbst, zum anderen aufgrund der Handlung und der Charaktere, aber auch, da es ein Werk ist, welches ich vermutlich lange Zeit selbst als einen der Romane nennen werde, der mich auch nach dem Lesen immer weiter begleitet.

„Die Brüder Karamsow“ ist ein Werk für jeden, der historische Texte, Klassiker der Weltliteratur, philosophische Gespräche und tiefgreifende Figurendynamiken zu schätzen weiß.

Meditationes de prima philosophia

„Da es ja immer noch ich bin, der zweifelt, kann ich an diesem Ich, selbst wenn es träumt oder phantasiert, selber nicht mehr zweifeln.“

In meinem letzen persönlicheren Blogbeitrag habe ich bereits den oft zitierten Ulmer Winter von René Descartes angesprochen und „Meditationes de prima philosophia“ ist das passende Werk hierzu. Der Legende nach entstanden während der Wirren des Dreißigjährigen Krieges, als Descartes in einem besonders harten Winter in der Umgebung von Ulm gestrandet war, unter Umstände die Ursprünge seiner Erkenntnistheorie.

Aufgrund dessen ist wohl kaum ein philosophisches Werk besser als winterliche Lektüre geeignet, als ein solches, welches dort seine Wurzeln fand.

Anna Karenina

„Als ob ihr Wesen von irgendeinem Übermaß derart übervoll wäre, dass es gegen ihren Willen bald im Funkeln des Blicks, bald im Lächeln zum Ausdruck käme.“

Um ein letztes Mal in diesem Beitrag bei den großen russischen Autoren zu bleiben, hier ein weiterer literarischer Klassiker, den man sicherlich nicht gelesen haben *muss*, den gelesen zu haben aber durchaus eine Bereicherung sein kann.

Ich selbst hielt Leo Tolstois „Anna Karenina“ lange Zeit für einen Roman, dem ich nicht abgewinnen werden könnte, jedoch wurde ich während des Lesens schnell eines besseren belehrt. Ähnlich wie „Die Brüder Karamasow“ wird dem Leser auch in diesem Werk eine unglaubliche Sprachgewalt voller Leben gezeigt, die man schnell lieben lernt.

Der Zauberberg

„Prägen Sie sich immerhin ein, daß Toleranz zum Verbrechen wird, wenn sie dem Bösen gilt.“

Da ich es auf diesem Blog unter Umständen noch nicht erwähnt habe, hier die offizielle Bekanntmachung: Ich bin ein großer Liebhaber der Werke Thomas Manns. Kann ich diese Aussage treffen, da ich jedes einzelne seiner Werke gelesen und geliebt habe? Nein. Aber die Tatsache, dass ich bis heute keinen Text und keinen Roman von Mann gelesen habe, dem ich nichts abgewinnen konnte, spricht für sicht.

Auch „Der Zauberberg“ gehört zu den Romanen, die ich liebe, da sie sich über eine Ewigkeit zu erstrecken scheinen. (Freunde schnelllebiger Texte, werden das Werk also wahrscheinlich ehr in Auszügen schätzen können.) Es vereint eine Vielzahl an Themen rund um das Leben, Lieben, Denken und darüber hinaus. Darüber hinaus gibt es in „Der Zauberberg“, wie es sich für mich in einem guten Roman gehört, einen Erzähler, der auf bestimmte weise überraschend detailliert beschreibt, sodass man als Leser in die Welt des Romans förmlich hineingezogen wird.

Bücher, die man 2021 gelesen haben sollte

Dies ist eine kleine Übersicht über die Bücher, die ich momentan besonders häufig weiter empfehle und die mich in den letzten Jahren auffällig oft begleitet haben. Wer also noch Inspiration für die diesjährige Leseliste sucht, ist hier herzlich willkommen.

Ich hoffe ich kann mit ein paar meiner Empfehlungen eure literarischen Vorsätze für 2021 etwas bereichern und wünsche euch allen ein schönes neues Jahr!

Ruth Bader Ginsburg – 300 Statements der berühmten Supreme-Court-Richterin

„When there are nine.“

Helena Hunt brachte diese Sammlung kurzer und längerer Zitate Ruth Bader Ginsburgs rund um das Leben, das Recht und die Gesellschaft im September letzen Jahre heraus und nur wenige Monate später lag es bereits bei mir auf dem Schreibtisch. Neben den, ohne Frage, grandiosen „Statements“, hat mir überdies auch sehr gefallen, wie immer wieder auf bekannte Fälle und den (akademischen) Lebenslauf Ruth Bader Ginsburgs eingegangen wurde. Dieses Buch ist definitiv eine Empfehlung für jeden, der sich mehr mit Recht, Feminismus, Gleichstellung oder auch ganz im Allgemeinen mit bedeutenden Personen dieses Jahrhunderts auseinandersetzen möchte.

The Colour of Time – A New History of The World, 1850-1960

„The world has always been as vivid, immediate and colourful as it seems to us today.“

Irgendwo zwischen Bildband (wählt man die gebundene Ausgabe) und geschichtlichem Weltatlas findet sich „The Colour of Time“. Ein Buch, in welchem Marina Amaral und Dan Jones in doppelseitigem Format die bedeutendsten Ereignisse und Personen der Jahrzehnte von 1850 bis 1960 darstellen. Während die Texte selbst in ihrer Funktion als kurz zusammengefasste Erklärung ihre Hauptfunktion bereits erfüllt haben, was soll man auch mehr verlangen, sind es gerade die Photographien gewesen, die „The Colour of Time“ seinen besonderen Reiz verschafft haben. Jedes einzelne diese Bilder war aufwändig koloriert worden und allein aufgrund dieser Tatsache, trat jedes historische Geschehen mit besonderer Bedeutungsgewalt hervor.

Garten über dem Meer

„Ich habe schon immer gerne erfahren, was den Leuten so alles passiert, und das nicht etwa, weil ich neugierig wäre…Eher, weil ich Menschen mag […]“

Ich muss an dieser Stelle zugeben, dass ich vor dem Lesen von Mercé Rodoredas Roman „Garten über dem Meer“ noch nie weder von Werk noch Autorin gehört hatte. (Es war letztendlich tatsächlich der Einband der wunderschönen Schmuckausgabe gewesen, der mich zum Lesen bewegt hatte.) Hätte Agatha Christie ein Werk im Stil Thomas Manns geschrieben, das Ergebnis wäre wahrscheinlich mit „Garten über dem Meer“ vergleichbar gewesen und das kommt in meiner persönlichen Bewertungsskala einem der Höchstpunktzahl gefährlich nahe kommendem Ergebnis gleich.

Durant – Kulturgeschichte der Menschheit

„Bildung ist eine zunehmende Erkenntnis der eigenen Dummheit“

Mitte Oktober habe ich mich gewissermaßen an das literarisches Selbstexperiment gewagt Will und Ariel Durants „Kulturgeschichte der Menscheit“ bis Weihnachten zu lesen. Fazit: Es ist möglich! Ich war von jedem Text aufs Neue begeistert. Der überaus detaillierte Überblick über bekannte, oder auch bedeutende aber weniger Bekannte, Personen und Werke der Weltgeschichte, wer der Punkt, der diese Reihe für mich so besonders gemacht hat. Diese knapp 20 Bücher scheinen einen Wissensumfang zu beinhalten, der einem Vielfachen dieser Menge ohne Weiteres entspricht.

Kaffee und Zigaretten

„Vor 54 Jahren, am Tag meiner Geburt, verhängte die Liga der Arabischen Staaten einen Import-Boykott über einen englischen Hersteller von Regenmänteln, die Firma Burberry.“

Ferdinand von Schirachs neuestes Werk erschien zu Beginn dieses Jahres und ich hätte wahrscheinlich nie dannach gegriffen, wäre es mir nicht mehrmals von Freunden empfohlen worden. Nach dem Lesen schließlich bereute ich fast von Schirach als Autor nicht bereits früher „entdeckt“ zu haben. („Entdeckt“ hier in Anführungszeichen, denn wir erinnern uns, ich musste zu meinem Glück gezwungen werden.) „Kaffee und Zigaretten“ liest sich wunderbar es war eines dieser Werke, die ich so liebe, weil sie Lebensgeschichten gekonnt anskizzieren und verweben. Der Leser erhält hier Einblicke in Facetten einer Autobiographie, die einen mit nachdenklichem Blick auf das Leben selbst zurücklassen.