Schubladen

Hallo da draußen!

Kreativität und Interessen machen mir am meisten Spaß, wenn ich die Ideen und Prozesse dahinter mit anderen teilen kann.

Die unüberwindbare Schublade

Was mir aber immer wieder auffällt, sobald ich mich in die (digitale) Welt irgendeiner beliebigen Thematik begebe, sind die berühmt-berüchtigten Filterblasen. Ein Entkommen aus diesen ist praktisch unmöglich.

Dies geht oft so weit, dass ich mich solchen Filterblasen meist nicht nur nicht entziehen kann, sondern einfach aufgeben und sie akzeptieren muss, wenn ich ein Maximum an Interaktion oder Austausch innerhalb einer solchen Interessenwelt herausholen möchte.

Als ich vor Jahren meine ersten Instagram Accounts zu nutzen begann, ist mir damals noch vollkommen erstaunt aufgefallen, dass mir nach nur wenigen Tagen Interaktion mit bestimmten Themen, plötzlich immer mehr und schließlich nur noch eben diese Themen durch den Algorithmus vorgeschlagen wurden

Dieser Effekt tritt online immer und überall auf, rein technisch ist er auch nicht sonderlich überraschend, dennoch lösen Filterblasen bei mir aus mehreren Gründen immer schnell einen negativen Beigeschmack aus. (Alleine bereits aus der politisch-gesellschaftlichen Problematik, die sich daraus immer häufiger zu ergeben scheint.)

Interessen kennen keine Grenzen

Ein weiterer Grund dahinter ist jedoch sehr simpel und persönlich: Niemand ist ein Schubladenmensch. Auch ich nicht. Meine Interessen gehen ungefähr so weit wie die Kreativität junger Eltern, die versuchen ihrem Spross einen möglichst prägend-individuellen Namen mit auf den Weg zu geben (Ja, dies ist an dieser Stelle ein Angriff gegen mich selbst).

Wahrscheinlich würde mich diese Tatsache nicht so sehr stören, wenn ich nicht auch selbst gerne ab und an aktiv zu kleinen Beiträgen in der ein oder anderen Ecke des Internets beitragen würde.

Es ist an sich nicht kompliziert, Algorithmen in regelmäßigen Abständen mit kleinen Portionen diverser Interessen zu füttern, um auf ein individuell abgestimmtes Unterhaltungspensum zu kommen.

Anders verhält es sich auch kaum für die produzierende Seite. In der Theorie ist der Weg zu einer gewissen digitalen Reichweite unglaublich simpel und besteht aus folgendem einfachen Ablauf: Schublade + Regelmäßigkeit + Trend = Erfolg

Befindet man sich also konstant in einer speziellen Schublade eines beliebigen Sozialen Netzwerks und beteiligt sich häufig genug an relevanten Themen, wird man den Effekt bemerken.

Das ist das ganze Geheimrezept. Liest also gerade eine Person diesen Text, deren sehnlichster Wunsch 5 Minuten Weltruhm sind: keine Ursache, gern geschehen.

Was macht das mit der Praxis?

Die passende Schublade ist also der erste Schritt zum Erreichen einer ausgeglichenen online Erfahrung (ich rede hier absichtlich nicht weiter von Reichweite, Größe, Influencertum etc., denn das würde hier den Rahmen sprengen).

Oft genug sieht man, wie sich Schauspieler und Künstler darüber beschweren, in einer bestimmten „Rolle“ gefangen zu sein. In Sozialen Netzwerken scheint dies der traurige Normalfall zu sein

Ich merke in dieser Hinsicht wenig Potenzial zur Besserung, denn gerade der Blick auf aktive Accounts zu verschiedensten Thematiken und auch mein eigener Medienkonsum zeigen deutlich, dass man als Zuschauer oder Konsument ebenfalls die Erwartungshaltung, die sich aus der Verbindung zwischen Algorithmus und Schublade ergibt, trägt.

Trotz alledem…

Trotz alledem gibt es für mich einen Lichtblick: Menschen.

Denn ehrlich gesagt, egal über welche Schublade oder Nische auch immer ich vielleicht einmal auf einen bestimmten Kanal oder Account gestoßen bin, sobald ich die Menschen dahinter interessant fand, wurde die Nische irrelevant.

Eine nette coole Person aus der literarischen Schublade könnte beispielsweise problemlos von heute auf morgen damit beginnen, Beiträge über Leistungssport oder Bingoabende zu veröffentlichen und ich würde sie wahrscheinlich weiterhin verfolgen.

Vielen Dank für eure Zeit,

Liebe Grüße,

Leonie

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Hallo da draußen und willkommen zurück auf Literarisches!

Neulich habe ich in einem Instagram Post einen kurzen Beitrag – beziehungsweise einen kurzen Gedankengang, denn die Bildunterschriften von Instagram Posts eigenen sich leider nicht ganz so gut für allzu lange Textbeiträge – darüber geschrieben, wie sich meine Sicht zu Buchbewertungen und zwar vor allem zu sehr knappen Bewertungen in der Form klassischer „so und so viel“ von „so und so viel möglichen“ Punkten verändert hat.

Ich habe schon immer gerne alles mögliche sortiert, organisiert und katalogisiert, was mir in meinem Leben und meinem Alltag in die Quere gekommen ist und so ist es relativ offensichtlich, dass ich bereits seit Jahren jährliche Leselisten führe, in denen ich notiere, welche Bücher, Texte oder Zeitschriften ich in eben diesem Jahr gelesen habe.

Irgendwann zwischen 2017 und 2019 habe ich damit angefangen diesen Listen, die lange wirklich nur aus dem Titel der Texte bestanden, immer mehr Kategorien hinzuzufügen, mit dem Ergebnis, dass aus meinen Leselisten irgendwann ganze Tabellen und halbe Rezensionen wurden, ohne dass ich diese jemals wirklich weiter nutzte.

Zwar würden die ein oder anderen „Productivity Gurus“ nun vielleicht etwas einwerfen wie „Ist ja super, dann kannst du nach jedem Lesen gleich ganz einfach eine Rezension schreiben!!“, aber das sollte niemals das Ziel meiner Listen werden. Eine Leseliste ist für mich eben doch keine Blogbeitragschreibmaschine, sondern nur eine bescheidene kleine Liste der Bücher und Texte, die mich über ein Jahr begleitet haben.


Nachdem ich also im Laufe der Zeit immer weniger Freude daran fand meine Leseliste auszufüllen, begann ich zu hinterfragen, welchen Sinn die Vielzahl an Kategorien, die ich einem Buch in dieser zuordnete, überhaupt hatte.

Das Ziel dieser Kategorien im Allgemeinen ist eines, das ich bis heute sehr schätze und auch so weiter verfolge, denn ich mag es zu wissen, dass ich beispielsweise auf einen Blick sehen könnte, welche Bücher ich jemals (in den letzen Jahren jedenfalls) zu einem abstrakten oder konkreten Thema gelesen habe. Solche Sortiereungen machen mir zum einen einfach Spaß, haben sich aber zum anderen auch schon als sehr praktisch, zeitsparen und sinnvoll erwiesen.

Dennoch wurde mir auch klar, dass nicht jede dieser Kategorien wirklich notwenig ist um einen Überblick zu erhalten und ganz im Gegenteil, füge ich zu viele zu konkrete Kategorien hinzu, so entstehen genau diese thematischen Verbindungen irgendwann nicht mehr.


Die andere Kategorie, deren Sinn ich noch nie ganz verstanden hatte waren Sternebewertungen. Diese simplen und (natürlich ohne Frage) praktischerweise sehr konkreten Einteilungen von Büchern in verschiedene Punktekategorien, habe ich eigentlich nur übernommen, da ich sie bei so vielen anderen Viellesern und Apps wie Goodreads immer wieder gesehen hatte; also muss das ja wichtig sein, dachte ich mir.

Zwar eigenen sich solche Bewertungen sehr gut für Beiträge wie „Meine Top 10 Bücher 2021“ (was auch der Grund ist, weshalb ich diese Kategorie immer noch weiterführe), aber ich bin zu dem Schluss gekommen, dass für mich einfache Sternebewertungen von Texten eben doch nichts weiter sind als eine kurze, sehr intuitive oder unnötig verkomplizierte Einordnung, die uns aber nichts weiter sagt. Seitdem versuche ich viel mehr einen Text oder ein Buch über andere Grundlagen einzuschätzen und zu bewerten und von „ich mag es – ich mag es nicht“ Kategorien oder von der Skala von 0 bis zum perfekten Buch 5 immer weiter abzuweichen.

Denn gerade, weil ich persönlich dazu tendiere fast jedes Buch grundsätzlich zu mögen, einfach da es ein Buch ist, hatte ich schon immer Schwierigkeiten Texte auf diese Weise einzordnen. Außerdem, welchen Unterschied macht es schon, ob ich ein Buch mit 2 von 5, 3,5 von 5 oder 7 von 10 Punkten einordne?

Ich hoffe dieser Beitrag war interessant und unterhaltsam!

Vielen Dank fürs Lesen, ich wünsche euch eine schöne Woche!